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Themen im Ganztag

Wer etwas will, sucht Lösungen,
wer etwas nicht will, sucht Gründe. Sprichwort

Veränderungsprozess Ganztag in Schritten:

Wann werden wir Ganztagsschule?
Welches Ziel haben wir dabei?
Was wollen wir verändern?
Wo gibt es positive Beispiele?
Welches Thema gehen wir zuerst an?
Wann wollen wir das Thema umsetzen (Zeitachse)?
Was ist hierfür notwendig (Beschluss der Schulkonferenz? ... )
Wer übernimmt welche Aufgaben? (Steuergruppe/Team xy)
Wen können wir als Unterstützer gewinnen?
Welche Maßnahmen stehen dafür an? (SuS- /Elternbefragung)
Wie sollen die Ergebnisse sichtbar gemacht werden? (Schulfest, Präsentation mit SuS für Eltern und Stadtteil)

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst Du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, den nächsten Atemzug, den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur den nächsten.‘ ...‚ dann macht es Freude

Pädagogisches Konzept

Das Geheimnis einer guten Schule ist ihr Ethos.
Annemarie von der Groeben

Ganztagsschule steht für ein neues zukunftsorientiertes Bildungsverständnis.
Schule zu einem altersgerechten Lebens-, Lern- und Erfahrungsort zu gestalten, ist ein lohnender Prozess für alle Beteiligten. Vielen Ganztagsschulen ist eine ganzheitliche Förderung aller ihrer Schüler*innen das zentrale Anliegen. Die Früchte dieses pädagogischen Handelns wird unsere Gesellschaft erst später ernten, wenn die Kinder der Ganztagsschule bereits entwachsen sind und im Leben stehen.
Es geht in der Ganztagsschule auf der pädagogischen Ebene um eine Vielzahl von Fragestellungen und Entscheidungen, die auf eine veränderte Lehr- und Lernkultur abzielen. Doch welche pädagogischen Veränderungen sind an Ihrer Schule möglich oder notwendig?
Ein gutes und erfolgreiches Ganztagskonzept benötigt einen neuen Blick auf die Rollen, die Zeit und den Raum in Schule. Es gilt möglichst viele pädagogische Aspekte in den Blick zu nehmen, zu konkretisieren und umzusetzen. Welche Veränderungen sind kurzfristig, mittelfristig und langfristig anzugehen?
Eine Gelingensbedingung für die erfolgreiche Planung und Umsetzung eines Konzepts ist die frühestmögliche Beteiligung aller.
Erst die Praxis zeigt häufig, ob Konzepte wirklich gelebt werden können und dem Alltag auch gewachsen sind. Kleinschrittige Umsetzung und regelmäßige Reflexionsrunden über die Veränderungen bieten Raum für Anpassung und Koordinierung der nächsten maßvollen Schritte.
Die Serviceagentur berät gern hierzu.

Raumgestaltung

Wenn wir über Schule im 21. Jahrhundert nachdenken, kommen wir an Maßstäben für zeitgemäßen Schulbau mit den Anforderungen einer Ganztagsschule nicht vorbei. Ganztagsschulen werden als Lern-, Erfahrungs- und Lebensort begriffen. Die räumliche Organisation des Ganztages ist eine Herausforderung und der Weg ihrer Umset-zung so individuell wie der Standort selbst. Das pädagogische Konzept und das Profil (musik-, lese-, naturwissenschaftlich oder sportbetonte Schule) spiegeln sich im Raum- und Ausstattungskonzept der Schule wider. Die Räume (innen und außen) müssen multifunktionalen Anforderungen und verschiedenen Nutzer*innengruppen gerecht werden und die gleichberechtigte Teilnahme aller Schüler*innen berücksichtigen.
Erfahrungsgemäß trägt die räumliche Verbesserung zur nachhaltigen Veränderung des Schulklimas, der Aufenthaltsqualität und der Lernanreize bei.
In den Schulen sollten räumliche Aspekte der modernen Pädagogik Berücksichtigung finden, denn Schüler*innen lernen nicht nur am Schultisch konzentriert.
In Bremen sind bereits beispielhafte Schulbauten umgesetzt und funktionierende Raumkonzepte erarbeitet und erprobt worden.
Gern können wir Hospitationsschulen vermitteln.

Zeit und Rhythmisierung

Mit der Einführung der Ganztagsschule ist Zeit ein wichtiges Grundelement für den Veränderungsprozess, um kindgerechtes Lernen zu ermöglichen und dabei die starre Fächerabfolge im 45-Minuten-Takt an Schulen zu überwinden. Rhythmisierung ist dabei der Begriff für eine pädagogisch motivierte Zeitgestaltung und ermöglicht, neue Zeitfenster für den Tagesablauf in Schule zu etablieren.
Die Ausweitung des Tages an einer Schule bis in den Nachmittag hinein benötigt eine klare Zeitstruktur, Rituale und klar kommunizierte Regeln. Ein den Bedürfnissen der Kinder angemessener Start ist ebenso wichtig wie eine verbindliche Verabschiedung. Konzentrierte Lernphasen, Input- und Vertiefungsphasen, Angebote, Spiel-, Bewe-gungs- und Ruhephasen bilden mit dem Mittagessen die Struktur des Ganztages.
Es wechseln sich Inputphasen mit Gruppenarbeit, offenen Lernsituationen und freier Lernzeit ab. Diese variieren in der Dauer und werden von den Pädagog*innen mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schüler*innen eingeteilt. „Die Struktur der Tagesplanung ist mehr eine Frage der Lernorganisation als eines vermeintlich natürlichen Anspan-nungs-Entspannungs-Rhythmus der Schüler“1.
Für offene Ganztagsgrundschulen stellt die Rhythmisierung eine weitaus höhere Herausforderung als für gebundene Ganztagsschulen dar. Denn die Lerninhalte bleiben auf den Vormittag konzentriert, damit Schüler*innen, die nicht den Ganztag besuchen, den Lernstoff vollumfänglich vermittelt bekommen. Neben dem Unterricht nach Stundentafel gehören im Ganztag vielseitige unterrichtsergänzende Angebote.

1 Sabine Reh: Rhythmisierung, Münster 2011

Mittagessen

Mittagessen in der Ganztagsschule ist ein fester Bestandteil des Schullebens und ein zentraler Verantwortungsbereich für gesunde und hochwertige Ernährung der Schüler*innen. Gemeinsame Mahlzeiten werden heute oft nur unter dem Aspekt der Versorgung betrachtet. Dabei wird der pädagogische Stellenwert in der Vermittlung von Kulturtechniken manchmal unterschätzt. Mittagessen ermöglicht Kommunikation, schult den wertschätzenden Umgang mit Essen und das soziale Miteinander. Das gemeinsame Essen ist eine besondere pädagogische Beziehungsarbeit.
Eine positive Atmosphäre schafft Raum für persönliche Gespräche, die so im Unterricht nicht erfolgen. Manche Schulen begreifen die Mittagszeit deshalb als einen Höhepunkt des Tages. Dabei haben die Lehrkräfte, Erzieher*innen oder andere Betreuungspersonen eine wichtige Vorbildfunktion.
Kinder, die gesund und ausgewogen ernährt sind und ausreichend getrunken haben, konzentrieren sich bekanntlich besser. Viele Schulen bieten zudem ein Frühstück oder eine Obstzeit am Nachmittag an, denn nicht alle Kinder kommen mit ausreichendem Essen in die Schule.
Ernährung sollte auch unter dem Gesichtspunkt der Gesundheitsbildung in der Schule einen wichtigen Stellenwert einnehmen und kann damit eine thematische Brücke in den Unterricht bedeuten. Wenn wir Nachhaltigkeit denken und leben wollen, sind Themen wie saisonale, regionale und biologisch angebaute Produkte hiermit verbunden.

Multiprofessionelles Team

Teamstrukturen haben sich auch an Schulen weitestgehend etabliert. Der Weg, sich als Lehrkraft vom Einzelkämpferdasein zu verabschieden, zu einem Teammitglied in der Schule zu werden und damit gemeinsam mit anderen Professionen an Zielen zu arbeiten, ist weiterhin ein Lernprozess.
Gute Kommunikationsstrukturen und ein klares Rollenverständnis aller Professionen sind wichtige Grundlagen für eine gute Teamarbeit an Ganztagsschulen. Um dem erweiterten Bildungs- und Erziehungsanspruch gerecht zu werden, ist das verlässliche Zusammenspiel unterschiedlicher Kompetenzen eine grundlegende Gelingensbedin-gung. Für eine erfolgreiche Planung und wirkungsvolle Umsetzung eines Ganztagsschulkonzepts gilt es, die individuellen Rahmenbedingungen der Schule zu analysieren und alle Beteiligten frühestmöglich in die Erarbeitung eines Leitbildes einzubeziehen.
Das Organisationssystem Ganztagsschule braucht die Expertise verschiedener Professionen, denn der „besondere Blick“ der jeweiligen Profession auf das Kind stärkt die Kompetenz der Schulgemeinschaft. Eine gute Zusammenarbeit im Team hat eine entlastende und effektive Wirkung und ermöglicht, zeitnahe Lösungen für anstehende Themen gemeinsam zu erarbeiten. Um dabei wirksam zu sein, muss auch eine sogenannte „interprofessionelle Kollegialität“1 im Team etabliert werden.

Für die Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf
Afrikanisches Sprichwort

Kooperation

Die Kooperationskultur zwischen Ganztagsschulen und außerschulischen Partnern hat sich in den letzten Jahren in Bremen weiter etabliert. Man kann von einer Vielzahl von Akteuren sprechen, die an Ganztagsschulen arbeiten und damit einen wichtigen Beitrag zu lebensweltorientierten Schulangeboten leisten.
Schulen sind immer häufiger auf die Strukturen von Kulturinstitutionen, Sportvereinen oder Trägern der Jugendhilfe angewiesen, die jenseits des Schulgeländes im Umfeld existieren. Um diese zu erschließen, ist Kooperation unumgänglich. Doch neben dieser Notwendigkeiten gibt es pädagogische Gründe, die für eine Öffnung von Schule sprechen. Kinder einer Ganztagsschule haben zeitlich weniger Möglichkeiten, Stadtteilangebote wahrzunehmen. Um die Angebotspalette breiter ausfallen zu lassen, knüpfen Ganztagsschulen Kooperationen mit Vereinen und Frei-zeiteinrichtungen. Die Schule verbindet aber auch die Akteure im Stadtteil und bietet ihre Räumlichkeiten für die erweiterte Bildungsarbeit als „Schule im Stadtteil“.

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Franz Kafka