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Diagnosebogen

Schriftliches Feedback zu diagnostischen Aufgaben

Ab 5. Klasse

Prozessorientiertes Feedback mit individuellen, unterrichtsbegleitenden Rückmeldebögen zu diagnostischen Aufgaben im Fach Mathematik

Inhalt und Nutzen

Diagnosebögen dienen dazu, Schülerinnen und Schülern formatives Feedback zur Bearbeitung diagnostischer Aufgaben zu geben. Statt einer Beurteilung in Form von Noten oder Punkten, liefern Diagnosebögen eine auf Stärken, Schwächen und Strategien bezogene, inhaltliche Rückmeldung. Im Projekt Co2CA („Conditions and Consequences of Classroom Assessment“) wurden Diagnosebögen für das Fach Mathematik erprobt. In einer Interventionsstudie bearbeiteten die Schülerinnen und Schüler in kurzen Abständen Diagnoseaufgaben und erhielten zu jeder Aufgabe einen Rückmeldebogen, der - bezogen auf den sichtbaren Lösungsprozess - individuelle Informationen zu ihrem Leistungsstand enthält. Der im Co2CA-Projekt eingesetzte Bogen orientiert sich an theoretischen Annahmen einer förderlichen Rückmeldung (siehe auch Bürgermeister, Klieme, Rakoczy, Harks, & Blum, 2014).

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Abbildung 1. Beispiel eines Diagnosebogens aus dem Co2CA-Projekt (Bürgermeister, Klieme, Rakoczy, Harks & Blum, 2014, S.52)

Eine Untersuchung von Rakoczy und Kollegen (2013) zeigt, dass prozess-orientiertes Feedback, welches den Diagnosebögen zugrunde liegt, von Schülerinnen und Schülern als nützlicher angesehen wird als ein Feedback mit Noten und dadurch einen positiven Effekt auf ihre Leistung und auch ihr Interesse hat. Der Einsatz von Diagnosebögen kann mit überschaubaren Aufwand in den normalen Unterricht eingebettet werden.

Vorbereitung, Durchführung & Auswertung

Zu Beginn müssen mehrere Testzeitpunkte, an denen die Schülerinnen und Schüler jeweils ein bis zwei Aufgaben lösen, festgelegt sowie Aufgaben in der Form eines Diagnosebogens vorbereitet werden. Ein Teil der 160 im Co2CA-Projekt entstandenen Aufgaben für die 9. Jahrgangsstufe (Modellierungskompetenz und technische Kompetenz innerhalb der Themengebiete Satz des Pythagoras und lineare Gleichungssysteme) ist frei verfügbar (siehe Seite 29-45 in Bürgermeister et al., 2011). Es können auch weitere geeignete kompetenzorientierte Diagnoseaufgaben (Aufgaben, die bewusst so offen gestellt werden, dass Eigenproduktionen der Schülerinnen und Schüler angeregt werden) aus dem Schulbuch entnommen oder selbst erstellt werden. Die Schülerantworten können dann diagnostisch interpretiert werden.

Die Bearbeitung einer Aufgabe dauert höchstens 15 Minuten und kann gut zu Beginn einer Unterichtsstunde eingeplant werden.

Für jede Schülerlösung wird in der Auswertung eine individuelle Rückmeldung im Diagnosebogen erstellt. Die Erstellung der Rückmeldungen mithilfe des Computers kann Zeit sparen, da Kommentare oft auf mehrere Schülerinnen und Schüler zutreffen. Für die Aufgaben aus dem Co2CA-Projekt, gibt es eine Diagnosehilfe mit Formulierungsvorschlägen (siehe zum Beispiel Bürgermeister et al., 2014).

Einordnung

Der Diagnosebogen ist im Co²CA-Projekt des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung der Universität Kassel und der Universität Lüneburg unter Leitung von Eckard Klieme, Katrin Rakoczy, Werner Blum und Dominik Leiß entstanden. In vier Projektphasen wurden von 2007 bis 2013 zunächst 160 Aufgaben für Unterichts- und Testsituation entwickelt und Lehrkräfte zur Beurteilungspraxis im alltäglichen Mathematikunterricht befragt. In der nächsten Phase wurde im Rahmen einer Laborstudie mit Schülerinnen und Schülern neunter Klassen verschiedene Arten schriftlicher Rückmeldungen getestet. In einer Unterrichtsstudie in 39 neunten Klassen an Realschulen (bzw. entsprechendem Niveau) in Hessen wurden die Diagnosebögen in einer Interventionsstudie im Rahmen einer 13-stündigen Unterrichtseinheit zum Thema Satz des Pythagoras getestet. In der letzten Projektphase wurde die Wirksamkeit von Lehrerfortbildungen zum Thema formatives Assessment im kompetenzorientierten Mathematikunterricht untersucht.

Weitere Informationen

Im Zuge des Co²CA-Projekts sind mehrere Publikationen entstanden. Zum Beispiel:

Bürgermeister, A., Kampa, M., Rakoczy, K., Harks, B., Klieme, E., Besser, M., Blum, W. & Leiß, D. (2011). Dokumentation der Befragungsinstrumente des Laborexperimentes im Projekt "Conditions and Consequences of Classroom Assessment" (Co²CA). Frankfurt am Main: DIPF. Verfügbar unter http://www.pedocs.de/volltexte/2011/3528/pdf/Skalendokumentation_Laborexperiment_Coca_D_A.pdf
[26.05.2015].

Bürgermeister, A., Klieme, E., Rakoczy, K., Harks, B. & Blum, W. (2014). Formative Leistungsbeurteilung im Mathematikunterricht. In: M. Hasselhorn, W. Schneider & U. Trautwein (Hrsg.), Lernverlaufsdiagnostik (S. 41-60). Göttingen: Hogrefe.

Rakoczy, K., Harks, B., Klieme, E., Blum, W., & Hochweber, J. (2013). Written feedback in mathematics: Mediated by students’ perception, moderated by goal orientation. Learning and Instruction, 27, 63-73.