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Führungsfeedback

Feedback gehört zu den "anerkannten" Treibern der Qualitätsentwicklung von Schulen. Dies gilt auf allen Ebenen:

  • zwischen Schülerinnen und Schülern
  • zwischen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonen
  • zwischen Lehr- und Leitungspersonen
  • zwischen Angehörigen der verschiedenen Leitungsebenen

Im Bereich der Führungskräfteentwicklung liegt der Fokus primär auf dem Führungsfeedback, bei dem Leitungspersonen Rückmeldungen zum ihrem Führungs- bzw. Leitungshandeln von Lehrpersonen erhalten.

Das Angebot des LIS zum Führungsfeedback

Das Referat Personalentwicklung des LIS bietet interessierten Schulleitungen und Schulleitungsmitgliedern konzeptionelle, praktische und beratende Unterstützung bei Führungsfeedback (FFB) an – und zwar:

  • Information über Grundsätze, Chancen & Risiken von Führungsfeedback
  • Beratung bei der Planung des Feedback-Prozesses
  • Beratung bei der Auswahl bzw. Gestaltung von Feedback-Instrumenten (insbesondere Fragebögen beim schriftlichen Feedback)
  • Auswertung schriftlicher Feedback-Bögen inkl. schriftlichem Bericht
  • Auswertungsgespräch anhand des Auswertungsberichtes
  • FFB-Coaching zum persönlichen, kommunikativen und sachlichen Umgang mit den Ergebnissen

Die FFB-Informations- und Beratungsleistungen können beim LIS unentgeltlich abgerufen werden. Die Datenerfassung/Auswertung wird ggfs. nach Aufwand in Rechnung gestellt.

Literaturauswahl

  • Buhren, Claus. G./Rolff, Hans-Günter (2009): Rückmeldung an Führungskräfte. In: Buchen, Herbert/Rolff, Hans-Günter (Hg.): Professionswissen Schulleitung. Weinheim/Basel: Beltz, S. 495-501
  • Kühme, Christian (2008): Rückmeldung an Führungskräfte in Schulen. In: Bartz, Adolf u.a. (Hg.): PraxisWissenSchulLeitung. Neuwied: WoltersKluver, Beitrag 10.17

Interview: "Führungsfeedback – Abenteuer mit ungewissem Ausgang?"

Ein bisschen blümerant war ihr schon, als Sie den Entschluss gefasst hatte, Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter danach zu fragen, was sie denn von ihr als Führungskraft so halten. Frau Hellenbrinck, deren Namen wir geändert haben, ist Leiterin einer Bremer Oberschule. Sie nimmt ihre Führungsrolle ernst und macht sich darüber Gedanken, wie sie vom Kollegium wahrgenommen wird. In persönlichen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen, die sie schon lange kennt, hat sie danach gefragt und auch ehrliche Antworten bekommen. Diese waren für sie Anlass über eine systematischere Vorgehensweise nachzudenken.

LIS: Wie sind Sie auf die Idee zum Führungsfeedback gekommen? Gab es einen konkreten Anlass für Sie?
Hellenbrinck: Anlässe gab und gibt es täglich auf’s Neue: Jede Situation, in der ich als Schulleiterin handele oder auch nicht handele wird von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wahrgenommen, bewusst oder unbewusst interpretiert. So entsteht mit der Zeit ein inneres Bild von mir als Schulleiterin, das seinerseits die Art und Weise beeinflusst, wie man sich mir gegenüber verhält. Davon hängt viel ab – nicht nur im persönlichen Umgang, sondern vor allem auch hinsichtlich der Entwicklung unserer Schule. Den letztendlichen Anstoß habe ich dann in einer Schulleitungsfortbildung des LIS bekommen. Das große Thema war Qualitätsmanagement und es ging unter anderem um die Frage, wie es gelingen kann eine Feedback-Kultur aufzubauen. Die Aussage war ungefähr so: Qualität hängt nicht zuletzt an der Professionalität der in Schule Arbeitenden. Zur Professionalität wiederum gehört die Reflexion der eigenen Praxis. Das gilt natürlich nicht nur für Schulleitungen, sondern für alle, die in Schule arbeiten. Nur: Wenn ich als Schulleiterin nicht ins Risiko gehe, mir auch mal eine unangenehme Rückmeldung abzuholen, wie soll ich das dann von anderen verlangen? Und umgekehrt: Wenn ich am eigenen Beispiel zeigen kann, dass sich Feedback lohnt, dann brauche ich eigentlich kaum noch Überzeugungsarbeit zu leisten, weil es offensichtlich Sinn macht.

LIS: Wie hat Ihr Kollegium auf Ihr Ansinnen reagiert?
Hellenbrinck (lacht): Oh, das war erstmal ziemlich verblüfft. Spontan waren viele ganz angetan von der Idee, andere haben Gesichter gemacht als würden sie denken “Was hat sie denn jetzt wieder mit uns vor?“ Etwas verhüllt kam schon auch Skepsis zum Ausdruck. Sehr geholfen hat dabei ein Kollege, der Führungsfeedback von seiner vorherigen Schule kannte.
Den Bogen ausgefüllt und abgegeben haben dann nachher aber alle, wobei das natürlich nicht kontrolliert wurde und anonym gelaufen ist.

LIS: Wie sind Sie das Führungsfeedback praktisch angegangen und welche Rolle hat das LIS dabei gespielt?
Hellenbrinck: Ich habe natürlich vorher das Schulleitungsteam „eingeweiht“ und begründet, warum ich zunächst ein individuelles Feedback einholen wollte. Mir war die Vorbildwirkung sehr wichtig. Außerdem wollte ich auch in der Schulleitung niemanden unter Zugzwang setzen, sich zu beteiligen oder ein Nichtmitmachen irgendwie zu begründen. Den Zeitpunkt damit in die Konferenz zu gehen, habe ich mir bewusst ausgesucht. Nach dem Halbjahreswechsel hatten alle wieder etwas entspannt und ich habe mit einer größeren Bereitschaft gerechnet, sich zu beteiligen. Den Fragebogen habe ich mehr zufällig auf den Internetseiten der Uni Marburg entdeckt. Vor den Osterferien habe ich dann meinen Fragebogenentwurf an die Pinnwand gehängt. Meine Bitte war, noch Fragen dazuzuschreiben oder missverständliche Formulierungen zu verbessern. In den letzten Tagen vor den Osterferien habe ich die Bögen dann in die Fächer verteilt und um zügige Rückgabe in mein Fach gebeten. In den Ferien hat dann das LIS die Bögen ausgewertet und mir einen Bericht geschickt.

LIS: Wie liefen das Auswertungsgespräch und das Coaching ab?
Hellenbrinck: Als ich den statistischen Auswertungsbericht angesehen hatte ist mir einmal mehr klar geworden, dass der Weg „von Daten zu Taten“ über das Verstehen der Daten führt. Ich habe also das Angebot eines Auswertungsgespräches angenommen. Wir sind dann zu dritt den Bericht durchgegangen. Ich habe viele Hinweise und Interpretationshilfen bekommen. Ganz wichtig war für mich, Querbezüge zwischen einzelnen Aspekten aufgezeigt zu bekommen, die mir selber gar nicht aufgefallen waren. Das Gespräch hat etwa eineinhalb Stunden gedauert und ging am Ende in ein Beratungsgespräch über zu der Frage, was mache ich jetzt mit meinen neuen Erkenntnissen? Womit fange ich an? Was ist mir wichtig, was ist für die Schule bedeutsam, was könnte fürs Kollegium interessant sein? Mit wem spreche ich wann, wie und mit welchem Ziel über welche Aspekte? Was behalte ich für mich usw.? Das war für mich als Klärungshilfe sehr gelungen und nützlich – vor allem, weil die LIS-Coaches mir keine pauschalen Erklärungsmuster oder Ratschläge aufgedrängt haben, sondern Angebote zum „Selbst-drüber-nachdenken“ gemacht haben.

LIS: Was haben Sie aus dem Führungsfeedback gelernt, was haben Sie bereits umgesetzt?
Hellenbrinck: Also vor allem eins: Es tut nicht weh! Und mir hat das Feedback enorm dabei geholfen, mich selbst von außen zu betrachten. Diesen Perspektivwechsel versuche ich jetzt häufiger mal zwischendurch, damit ich ein besseres Gespür dafür bekommen, wie Dinge, die ich von mir gebe, ankommen könnten. Das heißt ja nicht, nun immer das eigene Fähnlein in den Wind zu hängen, sondern bei den eigenen Überlegungen meine „Gegenüber“ stärker mit zu bedenken. Weil, ich kann meinen Job für die Schule nur gut machen, wenn das Kollegium mitmacht.

LIS: Wie ging es Ihnen bei dem Auswertungsgespräch?
Hellenbrinck: Ich war erst ziemlich aufgeregt. Ein bisschen was von einer Prüfung hat das ja schon – zumindest gefühlt. Mein Kopf hingegen meinte ganz cool: Nun hab dich nicht so, du kannst ja hier nicht durchfallen und außerdem bist du doch eine gestandene Schulleiterin! Das kribbelige Gefühl hat sich dann aber schnell gelegt als wir gemeinsam in die Daten eingestiegen sind und ich mich mit den konkreten Aussagen beschäftigt habe. Vor allem als es dann um einige Einzelfragen ging, bei denen ich mir die Ergebnisse so gar nicht erklären konnte, war ich froh über die Interpretationshilfen. Das ging soweit, dass an ein zwei Stellen methodische Erläuterungen wichtig waren, um zu verstehen, wie Ergebnisse zustande kommen können, die mir höchst unplausibel waren.

LIS: Im Nachhinein betrachtet: Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?
Hellenbrinck: Ich würde vieles wieder genauso machen. Ich würde und werde mir frühzeitiger Beratung holen und kritischer mit vorgefertigten Feedback-Bögen umgehen. Es ist halt schon wichtig, dass die Fragen genau zur Schule passen, dass sie für die Kolleginnen und Kollegen überhaupt beantwortbar sind und nur Sachen gefragt werden, die wirklich relevant sind.

LIS Frau Hellenbrinck, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!