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Themen im Ganztag

Ganztagsschule steht für ein neues zukunftsorientiertes Bildungsverständnis.
Schule zu einem altersgerechten Lebens-, Lern- und Erfahrungsort zu gestalten, ist ein lohnender Prozess für alle Beteiligten. Vielen Ganztagsschulen ist eine ganzheitliche För-derung aller ihrer S*S das zentrale Anliegen. Die Früchte dieses pädagogischen Handelns wird unsere Gesellschaft erst später ernten, wenn die Kinder der Ganztagsschule bereits entwachsen sind und im Leben stehen.
Es geht in der Ganztagsschule auf der pädagogischen Ebene um eine Vielzahl von Frage¬stellungen und Entscheidungen, die auf eine veränderte Lehr- und Lernkultur abzielen. Doch welche pädagogischen Veränderungen sind an Ihrer Schule möglich oder notwen¬dig?
Ein gutes und erfolgreiches Ganztagskonzept benötigt einen neuen Blick auf die Rollen, die Zeit und den Raum in Schule. Es gilt möglichst viele pädagogische Aspekte in den Blick zu nehmen, zu konkretisieren und umzusetzen. Welche Veränderungen sind kurzfristig, mittelfristig und langfristig anzugehen?
Eine Gelingensbedingung für die erfolgreiche Planung und Umsetzung eines Konzepts ist die frühestmögliche Beteiligung aller.
Erst die Praxis zeigt häufig, ob Konzepte wirklich gelebt werden können und dem Alltag auch gewachsen sind. Kleinschrittige Umsetzung und regelmäßige Reflexionsrunden zu den Veränderungen bieten Raum für Anpassung und Koordinierung der nächsten ma߬vollen Schritte.

Wenn wir über Schule im 21. Jahrhundert nachdenken, kommen wir an Maßstäben für zeitgemäßen Schulbau mit den Anforderungen einer Ganztagsschule nicht vorbei. Ganztagsschulen werden als Lern-, Erfahrungs- und Lebensort begriffen. Die räumliche Organisation des Ganztages ist eine Herausforderung und der Weg ihrer Umsetzung so individuell wie der Standort selbst. Das pädagogische Konzept und das Profil (musik-, lese-, naturwissenschaft- oder sportbetonte Schule) spiegelt sich im Raum- und Ausstattungskonzept der Schule wider. Die Räume (innen und außen) müssen multifunktionalen Anforderungen und verschiedenen Nutzer*innengruppen gerecht werden und die gleichberechtigte Teilnahme aller S*S berücksichtigen.
Erfahrungsgemäß trägt die räumliche Verbesserung zur nachhaltigen Veränderung des Schulklimas, der Aufenthaltsqualität und der Lernanreize bei.
In den Schulen sollten räumliche Aspekte der modernen Pädagogik Berücksichtigung finden, denn S*S lernen nicht nur am Schultisch konzentriert.
In Bremen sind bereits beispielhafte Schulbauten umgesetzt und funktionierende Raumkonzepte erarbeitet und erprobt worden.

Mit der Einführung der Ganztagsschule ist Zeit ein wichtiges Grundelement für den Veränderungsprozess, um kindgerechtes Lernen zu ermöglichen und dabei die starre Fächerabfolge im 45-Minuten-Takt an Schulen zu überwinden. Rhythmisierung ist da¬bei der Begriff für eine pädagogisch motivierte Zeitgestaltung und ermöglicht, neue Zeitfenster für den Tagesablauf in Schule zu etablieren.
Die Ausweitung des Tages an einer Schule bis in den Nachmittag hinein benötigt eine klare Zeitstruktur, Rituale und gut kommunizierte Regeln. Ein den Bedürfnissen der Kinder angemessener Start ist ebenso wichtig wie eine verbindliche Verabschiedung. Konzentrierte Lernphasen, Input- und Vertiefungsphasen, Angebote, Spiel-, Bewegungs- und Ruhephasen bilden mit dem Mittagessen die Struktur des Ganztages.
Es wechseln sich Inputphasen mit Gruppenarbeit, offenen Lernsituationen und freier Lernzeit ab. Diese variieren in der Dauer und werden von den Pädagog:innen mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der S*S eingeteilt. „Die Struktur der Tagesplanung ist mehr eine Frage der Lernorganisation als eines vermeintlich natürlichen Anspannungs-Entspannungs-Rhythmus der Schüler*innen“1 (gegendert durch Verf.)
Für offene Ganztagsgrundschulen stellt die Rhythmisierung eine weitaus höhere Herausforderung als für gebundene Ganztagsschulen dar. Denn die Lerninhalte bleiben auf den Vormittag konzentriert, damit S*S, die nicht den Ganztag besuchen, den Lern¬stoff vollumfänglich vermittelt bekommen. Zu dem Unterricht nach Stundentafel ge¬hören im Ganztag vielseitige unterrichtsergänzende Angebote.

Mittagessen in der Ganztagsschule ist ein fester Bestandteil des Schullebens und ein zentraler Verantwortungsbereich für gesunde und hochwertige Ernährung der Schüler*innen. Gemeinsame Mahlzeiten werden heute oft nur unter dem Aspekt der Versorgung betrachtet. Dabei wird der pädagogische Stellenwert in der Vermittlung von Kulturtechniken manchmal unterschätzt. Mittagessen ermöglicht Kommunikati¬on, schult den wertschätzenden Umgang mit Essen und das soziale Miteinander. Das gemeinsame Essen ist eine besondere pädagogische Beziehungsarbeit.
Eine positive Atmosphäre schafft Raum für persönliche Gespräche, die so im Unterricht nicht erfolgen. Manche Schulen begreifen die Mittagszeit deshalb als einen Höhepunkt des Tages. Dabei haben die Lehrkräfte, Erzieher*innen oder andere Betreuungspersonen eine wichtige Vorbildfunktion.
Kinder, die gesund und ausgewogen ernährt sind und ausreichend getrunken haben, konzentrieren sich bekanntlich besser. Viele Schulen bieten zudem ein Frühstück oder eine Obstzeit am Nachmittag an, denn nicht alle Kinder kommen mit ausreichendem Essen in die Schule.
Ernährung sollte auch unter dem Gesichtspunkt der Gesundheitsbildung in der Schule einen wichtigen Stellenwert einnehmen und kann damit eine thematische Brücke in den Unterricht bedeuten. Wenn wir Nachhaltigkeit denken und leben wollen, sind Themen wie saisonale, regionale und biologisch angebaute Produkte hiermit verbun¬den.

Teamstrukturen haben sich auch an Schulen weitestgehend etabliert. Der Weg, sich als Lehrkraft vom Einzelkämpferdasein zu verabschieden, zu einem Teammitglied in der Schule zu werden und damit gemeinsam mit anderen Professionen an Zielen zu arbeiten, ist weiterhin ein Lernprozess.
Gute Kommunikationsstrukturen und ein klares Rollenverständnis aller Professionen sind wichtige Grundlagen für eine gute Teamarbeit an Ganztagsschulen. Um dem er-weiterten Bildungs- und Erziehungsanspruch gerecht zu werden, ist das verlässliche Zusammenspiel unterschiedlicher Kompetenzen eine grundlegende Gelingensbedingung. Für eine erfolgreiche Planung und wirkungsvolle Umsetzung eines Ganztagsschulkonzepts gilt es, die individuellen Rahmenbedingungen der Schule zu analysieren und alle Beteiligten frühstmöglich in die Erarbeitung eines Leitbildes einzubeziehen.
Das Organisationssystem Ganztagsschule braucht die Expertise verschiedener Professionen, denn der „besondere Blick“ der jeweiligen Profession auf das Kind stärkt die Kompetenz der Schulgemeinschaft. Eine gute Zusammenarbeit im Team hat eine entlastende und effektive Wirkung und ermöglicht, zeitnahe Lösungen für anstehende Themen gemeinsam zu erarbeiten. Um dabei wirksam zu sein, muss auch eine sogenannte „interprofessionelle Kollegialität“1 im Team etabliert werden.

Die Kooperationskultur zwischen Ganztagsschulen und außerschulischen Partnern hat sich in den letzten Jahren in Bremen weiter etabliert. Man kann von einer Vielzahl von Akteuren aus der kulturellen Bildung, aus dem Sportbereich u.a.m. sprechen, die an Ganztagsschulen arbeiten und damit einen wichtigen Beitrag zu lebensweltorien¬tierten Schulangeboten leisten.
„Schule verändert sich stetig mit den an sie herangetragenen Anforderungen, die sich in den Vorgaben der Bildungspolitik ausdrücken. Den Schulen stehen dabei begrenzte finanzielle und räumliche Ressourcen zur Verfügung. Sie sind damit immer häufiger auf die Strukturen angewiesen, die jenseits ihres Schulgeländes im Umfeld existieren. Um diese zu erschließen, ist Kooperation unumgänglich.“1
Doch auch jenseits dieser Notwendigkeiten gibt es pädagogische und gesellschaftliche Gründe, die für eine Öffnung von Schule sprechen. Um bildungsbenachteiligten Kin¬dern Chancen zu eröffnen, ihre Kompetenzen zu entwickeln, um die Angebotspalette der Schule breiter ausfallen zu lassen und sich damit als attraktiver Schulstandort zu behaupten, knüpfen Ganztagsschulen Kooperationen mit Vereinen und Freizeitein¬richtungen.
Zudem verbindet die Schule auch die Akteure im Stadtteil und bietet ihre Räumlichkei¬ten für die erweiterte Bildungsarbeit als „Schule im Stadtteil“.