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Stolperwörter-Lesetest (STOLLE)

Autor: Wilfried Metze
Lesegeschwindigkeit und Leseverständnis auf Satzebene

Ende 1. Klasse bis 4. Klasse

Kurzer und einfach einsetzbarer Gruppentest mit mittlerem Standardisierungsanspruch.

Inhalt und Nutzen

Der Stolperwörterlesetest besteht aus 60 Sätzen (2-4. Klasse) in denen jeweils ein Wort eingebaut ist, das nicht dorthin gehört. Dieses Stolperwort (oder auch Störer genannt) müssen die Schülerinnen und Schüler durchstreichen und auf diese Weise in einer bestimmten Zeit so viele Sätze wie möglich bearbeiten. Die eingesetzten Stolperwörter passen vom Wortschatz her (semantisch) zum Satz, aber nicht vom Satzbau und der Grammatik.

Beispiel: Mein Freund ist acht jung Jahre alt.

Gemessen werden somit die Lesegeschwindigkeit (Tempo und Genauigkeit) und das Verstehen auf Satzebene. Mit der Anzahl richtig bearbeiten Sätze pro Minute wird ein Einblick in die Leseleistung einer Schülerin oder eines Schülers gewährt. Es sollte zusätzlich differenziert betrachtet werden, ob jemand zwar sehr viele Sätze bearbeitet hat, aber sehr viele Fehler macht oder jemand nur wenige Sätze bearbeitet hat, aber dabei kaum Fehler macht. Brügelmann (2003, S. 3) beschreibt den Stolperwörter-Lesetest wie folgt: „Der Test stellt eine Art „Warnlampe“ für den Stand der Leseentwicklung dar, er bietet keine spezifische Diagnose des Leistungsprofils.“ Die Auswahl und Position der Stolperwörter folgt keinen festgelegten Kriterien. Schülerinnen und Schüler die im Vergleich sehr schwache Ergebnisse erzielen sollten gezielt gefödert werden. Empfehlungen für passfähige Lernangebote lassen sich aus den Ergebnisse nicht ableiten. Fallen die Ergebnissen der gesamten Klasse sehr schwach aus, kann dies gegebenenfalls Anlass für ein Überdenken des Anfangsunterrichts sein.

Vorbereitung, Durchführung & Auswertung

Der Stolperwörterlesetest kann ab dem Zeitpunkt eingesetzt werden, ab dem der Leselehrgang abgeschlossen ist. Um die Vergleichswerte zu nutzen, sollte die Testung in den letzten vier Wochen des Schuljahres geplant werden. Für einen klasseninternen Vergleich ist der Einsatz aber jederzeit möglich. Vor der Durchführung muss der Testbogen für jede Schülerin und jeden Schüler beidseitig ausgedruckt und gefaltet werden. Es gibt eine A- und eine B-Version, die sich nur durch die Reihenfolge der Sätze unterscheidet. Abgucken kann so vermieden werden. Für eine erneute Durchführung gibt es für die 2. bis 4. Klasse auch eine C- und D-Version. Für diese sind aber keine Vergleichswerte vorhanden.

Die Durchführung des Stolperwörterlesetest erfolgt standardisiert. In der Handanweisung ist genau beschrieben, was man machen und sagen muss. Bevor die Schülerinnen und Schüler mit der Bearbeitung des Tests beginnen, werden 5 Sätze gemeinsam bearbeitet. Inklusive Einweisung dauert der Test 10-15 Minuten. Dabei sind die reine Testzeit und die Anzahl der Items von der Klassenstufe abhängig. In der ersten Klasse werden Sätze von den meisten Schülerinnen und Schülern noch relativ mühsam entschlüsselt. Daher enthält der Test für die erste Klasse nur 45 Sätze und gewährt den Schülerinnen und Schülern mehr Zeit:







Klasse Anzahl Items Testzeit
1 45 10 min
2 60 6 min
3 60 5 min
4 60 4 min

Für die Auswertung können Schablonen erstellt werden, indem man die Kopiervorlage auf Folie ausdruckt. Für jede Schülerin und jeden Schüler errechnet man dann die Anzahl richtig gelöster Sätze pro Minute. Zusätzlich wird auch die Fehlerquote erhoben. Dazu wird die Anzahl Fehler durch die Anzahl bearbeiteter Sätze geteilt. Die vom Autor bereitgestellte Tabelle mit Vergleichswerten für eine Klassenstufe (wahlweise auch gruppierte Werte für Schülerinnen und Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist), kann als grobe Einordnung verstanden werden. Hat eine Schülerin oder ein Schüler in der zweiten Klasse 31 Sätze richtig, dann erreicht sie oder er damit Prozentrang 70. Das heißt, dass 70% der Schülerinnen und Schüler der Vergleichsgruppe gleich gut oder schlechter abgeschnitten haben.

Einordnung

Bei dem Stolperwörterlesetest handelt es sich um ein Instrument mit mittlerem Standardisierungsanspruch. Die Instruktion und Auswertungsanleitung sind standardisiert. Die Normierung, Validierung und Reliabilitätsprüfung entsprechen aber nur ansatzweise wissenschaftlichen Ansprüchen.

Bei den Vergleichswerten, die bis 2005 von Wilfried Metze gesammelt wurden, handelt es sich um eine angefallene Stichprobe und nicht um eine repräsentative Vergleichsstichprobe. Klassen, in denen der Stolperwörterlesetest eingesetzt wurde, wurden gebeten ihre Ergebnisse an den Autor zu schicken. Pro Stufe liegen die Daten von etwa 200 Klassen aus verschiedenen Bundesländern vor. Weitere Vergleichswerte wurden im Projekt LUST-1 (Lese-Untersuchung mit dem Stolperwörter-Test) von Hans Brügelmann erhoben. In drei Schulamtsbezirken aus NRW haben fast flächenddeckend alle 2. bis 4. Klasse (rund 18000 Schülerinnen und Schüler) den Stolperwörter-Lesetest durchgeführt. Dies jedoch nicht erst zum Schuljahresende, wie bei Wilfried Metze, sondern bereits zur Schuljahresmitte. Trotz der früheren Durchführung lagen die Ergebnisse in dieser regional beschränkten Vergleichsgruppe teilweise höher. Beide Zusammenstellungen von Vergleichswerten haben eine begrenzte Aussagekraft. Sie ensprechen nicht den Standards einer Normierung, können aber als grober Maßstab eingesetzt werden.

Backhaus (2005) fasst in einer Übersicht Validierungsstudien aus verschiedenen, teilweise auch nicht veröffentlichten, Quellen (von Metze erhobene Daten, LUST-1, LUST-2 und Nebenstudien) zusammen. Dabei wurden parallel zum Stolperwörter-Lesetest andere Verfahren zur Erfassung der Leseleistung auf Wort-, Satz- und Textebene eingesetzt. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus, erreichen alle jedoch zumindest einen Zusammenhang auf mittlerem Niveau. Die Aussagekraft der Studien ist jedoch stark begrenzt, da sie alle eine sehr geringe Stichprobe aufweisen.

Die Reliabilität, also die Zuverlässigkeit des Tests, wurde im Zuge von LUST-1 und einer Nebenstudie für gut befunden. Aber auch dies ist aufgrund der geringen Anzahl und Auswahl der teilnehmenden Klassen einzuschränken.

Nichtsdestotrotz eignet sich das Instrument durch seine einfache Durchführbarkeit und in der Funktion als „Frühwarnung“ für den Einsatz im Unterricht. Die Ergebnisse sollten aber nicht überbewertet werden und mit Beobachtungen und anderen Testergebnissen abgeglichen werden.

Material

Die Materialien sind gratis auf der Homepage von Wilfried Metze [LINK] http://www.wilfriedmetze.de/html/stolper.html erhältlich. Die Unterlagen müssen allerdings mit einem Brief mit Schulstempel oder durch eine Email der Schulleitung mit Angabe der Schuladresse angefordert werden.

  • Stolperwörterlesetest Klasse 1 A/B + Auswertungsschablone
  • Stolperwörterlesetest Klasse 2-4 A/B und C/D + Auswertungsschablone
  • Handanweisung zum Stolperwörterlesetest (2009)
  • Auswertung vom Stolperwörterlesetest (2005)

Weitere Informationen

Die Dokumentation der LUST-Studien ist lückenhaft. Die Projektseite ist nur noch im Archiv zu finden https://web.archive.org/web/20060719141300/http://www.agprim.uni-siegen.de/lust/

Abschlussbericht des Projekts LUST-1:

Brügelmann, H. (2003). Lese-Untersuchung mit dem Stolperwörter-Test. Abschlussbericht 1 des Projekts LUST-1. Verfügbar unter http://www2.agprim.uni-siegen.de/lust/stolper%5b1%5d.03.bericht.schlussfassung.12-20.pdf [31.01.2017]

Berichte zu LUST-2 und LUST-3 sind nicht publiziert, auf einige Ergebnisse wird jedoch in Präsentationen und Sekundärliteratur eingegangen.

Backhaus, A. (2005). Der Stolperwörter-Lesetest und der Siegener Lesetest. In M. Götz (Hrsg.), Grundschule zwischen Ansprüchen der Individualisierung und Standardisierung (S. 139-144). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Letzte Änderung am 31.01.2017