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Diagnostik und Inklusion

Junge Schüler bewegen sich durch einen Klassenraum, JPG, 26.8 KB

Der Entwurf des "Entwicklungsplans Inklusion" (pdf, 254.3 KB) (vom 10. 6. 2010) macht ab Seite 12 folgende Aussagen:

"Als Prozess meinen "Integration" wie "Inklusion" im Schulsystem die Überwindung von Sondereinrichtungen oder separierenden Formen der Unterrichtsorganisation zur Beschulung spezifischer Zielgruppen. "Inklusion" geht insofern über "Integration" hinaus, als nicht mehr zunächst gruppierende besondere Merkmale zugeschrieben werden wie der Migrationsstatus oder eine Behinderungsart, um dann diese Gruppe in die "Normal- oder Regel- oder allgemeine Einrichtung" hineinzunehmen. "Inklusion" heißt dagegen, dass alle Kinder eines Jahrgangs gemeinsam eine Schule besuchen und gemeinsam lernen. Der Begriff "Inklusion" kann missverständlich sein, wenn darunter nur verstanden wird, dass alle "drinnen" angekommen sind, es geht vielmehr um ein Miteinander im gemeinsamen Lernen und Leben am allgemeinen Ort Schule.
Wichtig sind allerdings die individuellen Merkmale jeder Schülerin und jedes Schülers, die festzustellen, zu erfahren, kennen zu lernen, zu wissen die Voraussetzung für Förderung im individualisierten Lernen ist. In der Integration werden Ressourcen für Kinder mit Etikettierung zur Verfügung gestellt, in der Inklusion wird Ressource für das System Schule budgetiert, was nicht ausschließt, für individuelle Hilfen auch besondere Mittel aufzuwenden. …"

Das Ziel ist das gemeinsame Lernen und Leben jeder Schülerin und jedes Schülers am allgemeinen Ort Schule (Es geht nicht mehr um gruppierende besondere Merkmale wie Migrationsstatus, Behinderungsart im Sinne einer Feststellungsdiagnostik!).
Es gilt aber die individuellen Merkmale jeder Schülerin und jedes Schülers festzustellen, zu erfahren, kennen zu lernen und zu wissen, als Voraussetzung für individualisiertes Lernen.

Diagnostik: Voraussetzung für die Förderung individualisierten Lernens

Voraussetzung für diese Förderung im individualisierten Lernen ist das Wissen um die individuellen Merkmale jeder Schülerin und jedes Schülers, die es festzustellen, zu erfahren und kennen zu lernen gilt. Individuelle pädagogische Diagnostik!

Diese Diagnostik wird im "Entwicklungsplan Inklusion" (pdf, 254.3 KB) auf der Seite 16 näher beschrieben:

[ZITAT„6. Diagnostik und Förderung - Diagnostik und Ressource

Förderdiagnostik und Feststellungsdiagnostik
Im Zentrum vieler Projekte und Entwicklungsaufträge, die an der Individualisierung des Lehrens und Lernens arbeiten, steht die Frage, wie kann ich die Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern diagnostizieren.
Mindestens vier Ebenen der Beantwortung sind festzustellen:

die Forderung nach diagnostischer Kompetenz bei Lehrkräften, als Kompetenz, Verschiedenheit gezielt und in Kontinuität wahrzunehmen und diese Wahrnehmungen in das pädagogische Handeln zu integrieren

das Angebot eher standardisierter Bestimmungen von Lernausgangslagen, wie sie zum einen Schulbuchverlage anbieten oder wie sie zum anderen in Bundesländern entwickelt wurden (z.B. die "Bremer Beobachtungen zum Schulanfang" (Mirola))

das Angebot testbasierter Diagnostik, wie sie bezogen auf Hochbegabung, Behinderung oder sonderpädagogische Förderschwerpunkte verwendet wird

es wird eine Unterscheidung getroffen zwischen Feststellungsdiagnostik, der eine Ressourcen- und Statuszuschreibung folgen kann, oder Förderdiagnostik, die Anhaltspunkte für gezielte und geplante individuelle Förderung liefert.

Vor dem Leitbild Inklusion stellt sich jetzt die Frage, mit welchem Instrumentarium das individuelle Erfordernis unterstützender Pädagogik, sonderpädagogischer Förderung und individueller Hilfen zu ermitteln ist. Es geht um das so genannte "Ressourcen-Etikettierungs-Dilemma", in das man gerät, wenn einerseits ein besonderer Ressourcenanspruch begründet und andererseits eine ausdrückliche Merkmals-, Defizit- oder Statuszuschreibung vermieden werden soll.“]

Vier Ebenen von Diagnostik in der inklusiven Schule

Die vier im "Entwicklungsplan Inklusion" (pdf, 254.3 KB) genannten Ebenen lassen sich so zusammenfassen:

  1. Kompetenz der Lehrkräfte Verschiedenheit kontinuierlich wahrzunehmen und in das pädagogische Handeln zu integrieren
  2. Nutzung standardisierter Bestimmungsverfahren für Lernausgangslagen
  3. Testbasierte Diagnostik bezogen auf Hochbegabung, Behinderung oder sonderpädagische Förderschwerpunkte (ZUP, ReBUZ)
  4. Differenzierung zwischen Förderdiagnostik und Feststellungsdiagnostik

Ebene 1. und 2. gehören zu den Aufgabenbereichen von Regellehrkräften. An die Bereiche 3. und 4. können die Regellehrkräfte weiterverweisen, wenn ihr diagnostischer Bereich ausgeschöpft und entsprechende Institutionen und Fachleute in Anspruch genommen werden müssen.

Ableitungen für ein Diagnostikkonzept im inklusiven Schulsystem

Das vorliegende Konzept zur Diagnostik im inklusiven Schulsystem Bremens wird darstellen, wie

  • die kontinuierliche Wahrnehmung von Verschiedenheit bei Schülerinnen und Schülern,
  • das Verweisen auf testbasierte Diagnostik für die Bereiche Hochbegabung, Behinderung, sonderpädagogische Förderschwerpunkte (ZUP, ReBUZ),
  • das Wissen um die individuellen Merkmale der Schülerinnen und Schüler für das gemeinsam Lernen und Leben am allgemeinen Ort Schule und
  • die Beobachtung, die Wahrnehmung sowie die Dokumentation und Vermitllung dieser Erkenntnisse bezogen auf die individuellen Merkmale in Dialogen im inklusiven Schulalltag geleistet werden kann.

Der Index für Inklusion (pdf, 733.9 KB) (Boban & Hinz, 2003) kann wichtige Fragen als Impulse für die diagnostikbasierte schulische Praxis liefern und so den Blick auf inklusive Prozesse im Unterricht schärfen.