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Pädagogische Beobachtungen

Beobachtungen im Schulalltag

Lehrerin spielt mit einer Schülerin und einem Schüler Domino, JPG, 25.4 KB

Im Unterricht, im Laufe des Schultages und bei außerschulischen Gelegenheiten machen Sie als Lehrerin oder Lehrer ständig Beobachtungen, die einzelne Schülerinnen und Schüler oder Schülergruppen betreffen:

  • Regularien: Halten sich Schülerinnen und Schüler an Zeitregelungen (Pünktlichkeit), wie verbindlich werden Arbeitsabsprachen eingehalten, Umgang mit Mitschülerinnen und Mitschülern und Erwachsenen in der Schule (freundlich zugewandt, überheblich, neutral oder grenzüberschreitend), Umgang mit Materialien (pedantisch, leger, zerstörerisch)
  • "Äußerlichkeiten": Kleidung, körperlicher Zustand, Mimik
  • soziale Bezüge (halten sich Schülerinnen und Schüler in Gruppen auf, sind eher mit einem Freund, einer Freundin zusammen oder isolieren sie sich bzw. werden isoliert)
  • Interessen der Schülerinnen und Schüler am schulischen Arbeitsangebot, an Freizeitaktivitäten, AGs, an schulischer Gremienarbeit, Klassensprecher, Jahrgangssprecher, Aufsichtshelfer
  • Bewältigung von neuer oder ungewohnter Situationen: Reaktion auf Störungen des üblichen schulischen Ablaufs (Besucher in der Klasse, neue Mitschüler, Stundenplanänderungen, neue Unterrichtsangebote, Feueralarm)

Diese und andere alltäglichen Beobachtungen im Bezug auf Ihre Schülerinnen und Schüler geschehen oft eher zufällig. Sie können jedoch dabei helfen Ergebnisse anderer diagnostischer Verfahren einzuordnen. Dafür ist es sinnvoll wichtige Beobachtungen festzuhalten und zu reflektieren.

Verfahren und Instrumente zur Dokumentation von Beobachtungen im Schulalltag

  • Lehrertagebuch
  • ILeA Psychosoziale Gesamtsituation: ILeA Lehrerheft zur psychosozialen Gesamtsituation (Ermittlung der existenziellen Voraussetzungen für kognitives Lernen)
  • GSV Schülerbeobachtung (Alphabetisch nach Nachnamen geordnetes Heft zum Eintragen von Beobachtungen und der Bewertung von Lerneinsatz und Sozialverhalten für die Grundschule), ISBN: 978-3-940253-42-2, Bestellnummer 1351, http://www.grundschulstunden.de UVP 8,90 €
  • TimeTEX Schüler-Beobachtung - Analysieren & Fördern (Beobachtungsbögen für 31 Schülerinnen und Schüler, Beurteilung und ergänzende Bemerkungen zu Sozialverhalten, Lern- und Arbeitsverhalten, Fächer, Umwelt und Familie), Bestellnummer 10776, http://www.timetex.de UVP 4,95€
  • TimeTEX Schüler-Inklusion – Integration & Inklusion (Beobachtungsbögen für 14 Schülerinnen und Schüler, Beurteilung und ergänzende Bemerkungen zu Sozialverhalten, Lern- und Arbeitsverhalten, Sprache, Fächer, Umwelt und Familie, Entwicklung und Motorik, Geistig/seelische Entwicklung, mit Raum für Notizen zu Analyse, Förderzielen und Elterngespräch), Bestellnummer 10773, http://www.timetex.de UVP 4,95€
  • F & L Schulorganisation GmbH & Co Zensurenheft schülerweise (Zensurenlisten mit Raum für Bemerkungen zu Förderbedarf, Elternkontakte und Sonstiges), Bestellnummer 366020, http://www.schulorganisation.com UVP 2,50€

Systematische pädagogische Beobachtungen

Mann mit Fernglas, jpg, 66.4 KB

Pädagogische Beobachtungen als diagnostisches Verfahren zur Bestimmung von Lernausgangslage, Lernstand und Lernentwicklung werden systematisch durchgeführt. Sie sind geplante und gezielte Beobachtungen eines konkret festgelegten Bereiches. Paradies, Linser und Greving (2011) fassen die Merkmale systematischer pädagogischer Beobachtungen wie folgt zusammen:

  1. konkreter Diagnosezweck
  2. Einbettung in einen theoretischen Bezugsrahmen
  3. systematische Planung und Durchführung
  4. Kontinuierliche Aufzeichnung
  5. Transparenz für alle Beteiligten

Im Gegensatz zu psychologischen Beobachtungsverfahren ist der Zweck der Beobachtung keine Feststellung oder Klassifizierung, sondern hat zum Ziel die Schülerinnen und Schüler bestmöglich in ihrer Entwicklung zu unterstützen und zu ermöglichen, dass aufgrund der Beobachtungen [FETT passfähige Lernangebote für und mit den Schülerinnen und Schüler gestaltet werden können. Basis für eine Bewertung der Ergebnisse können frühere Beobachtungen der gleichen Schülerin oder des gleichen Schülers (Individualnorm), festgelegte Ziele wie zum Beispiel die Bildungsstandards (Sachnorm) oder die Ergebnisse der anderen Schülerinnen und Schüler (Sozialnorm) sein.

Ein theoretischer Bezugsrahmen wird nach fachdidaktischen oder pädagogischen Erwägungen ausgewählt. Beobachtet werden können zum Beispiel Fähigkeiten und Verhaltensweisen in den folgenden Bereichen:

  • Lernverhalten (Motivation, Konzentration, Selbstständigkeit,…)
  • Sprachliche Kompetenz
  • Motorik
  • Wahrnehmung
  • fachliche Kompetenzen (Hier ist es besonders wichtig den Lernprozess ins Auge zu nehmen: Mit welcher Strategie lösen die Schülerinnen und Schüler Aufgaben? Welche Fehler machen sie?)

Ein großer Vorteil von Beobachtungen gegenüber standardisierten Tests ist, dass diese idealerweise nicht punktuell, sondern über einen längeren Zeitraum stattfinden. Daher können mit diesem Instrument gut Aussagen über Entwicklungsfortschritte gemacht werden. Für eine systematische Durchführung sollten Beobachtungszeitpunkte oder –zeiträume vorab festgelegt werden.

Ein wichtiger Aspekt bei systematischen pädagogischen Beobachtungen ist die Dokumentation der Beobachtungen. Dafür sollte die Beschreibung des Verhaltens möglichst zeitnah festgehalten werden. Die Auswertung kann später erfolgen. Es gibt verschiedenste Instrumente um Beobachtungen festzuhalten, zum Beispiel Logbücher oder Beobachtungsbögen. Diese haben gemeinsam, dass sie aus einer kurzen Merkmalliste bestehen in der man zu mehreren Zeitpunkten die Wahrnehmung eines Verhaltens, beziehungsweise dessen Ausprägungsgrad festhalten kann. Bei den Aufzeichnungen sollten wenn möglich auch konkret beobachtete Beispiele aufgenommen werden.

Um ein transparentes Verfahren mit möglichst fairen Beobachtungen zu schaffen, sollten die Beobachtungskriterien für alle Beteiligten offengelegt werden legen. Es ist auch möglich, Kriterien mit anderen Kolleginnen und Kollegen (zum Beispiel in der Fachkonferenz) oder auch mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam zu erarbeiten. Gemachte Beobachtungen können mit den Beobachtungen von Kolleginnen und Kollegen oder auch anderen Schülerinnen und Schülern abgeglichen werden. Die Beobachtungen und die Konsequenzen (passfähige Lernangebote) sollten mit den Schülerinnen und Schülern im Dialog besprochen werden.

Verfahren zur systematischen pädagogischen Beobachtung und Dokumentation

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Paradies, L., Linser H., & Greving, J. (2011). Diagnostizieren, Fordern und Fördern (4. überarbeitete Auflage). Berlin: Cornelsen Scriptor.