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Pädagogische Sprachdiagnostik

Stufen an der Bremer Schlachte, JPG, 46.9 KB

In der pädagogischen Sprachdiagnostik werden einzelne Bereiche der Sprachentwicklung gezielt unter die Lupe genommen. Mit geeigneten Instrumenten werden Sprachproduktion, Sprachrezeption, Grammatik, Satzbau, Wortschatz sowie pragmatischer und diskursiver Sprachgebrauch der Schülerinnen und Schüler untersucht. Mit einbezogen werden häufig auch Schülermerkmale wie Motivation und Interesse. Beim Eintritt in die Grundschule beschränkt sich die Diagnose zunächst auf die mündliche Kommunikation. Mit zunehmender Lernzeit rückt aber auch die Diagnose von Lese- und Schreibkompetenz in den Fokus.

Ziel einer pädagogischen Sprachdiagnostik ist die Diagnose des Sprachstandes und der Sprachentwicklung einzelner Schülerinnen und Schüler, um auf der Basis der Ergebnisse passfähige Lernangebote anzubieten. Es geht also ausdrücklich nicht um eine Diagnose von Sprachentwicklungs- oder Spracherwerbsstörungen. Diese Form der Diagnose sollte speziell dafür ausgebildeten Expertinnen und Experten vorbehalten bleiben.

Neben den allgemeinen Güterkriterien für standardisierte Tests sind für sprachdiagnostische Instrumente zwei weitere Gütekriterien wichtig:

  • Linguistische und spracherwerbstheoretische Basis: Gute sprachdiagnostische Instrumente basieren auf einem Modell zur Sprachaneignung.
  • Berücksichtigung beziehungsweise Einbezug von Mehrsprachigkeit: Einige Tests stellen dazu spezielle Normen für mehrsprachige Schülerinnen und Schüler bereit. Ideal ist dieses Vorgehen jedoch noch nicht, da die Sprachentwicklung in einer Zweitsprache (oder gar Dritt- oder Viertsprache) grundsätzlich anders verläuft als in der Erstsprache (Jeuk, 2010). So wird eine Zweitsprache zum Beispiel nicht isoliert, sondern in Verbindung mit der Erstsprache gelernt. Auch nimmt sie eine andere Rolle im Leben ein, als die Erstsprache. Neuere Verfahren, wie zum Beispiel LiSe-DaZ von Schulz und Tracy nehmen Mehrsprachigkeit gezielt in den Fokus.

Empfohlene Instrumente zur Sprachdiagnostik der BiSS-Initiative

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Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) ist eine Initiative des BMBF , der BMFSFJ , der KMK und der JFMK zur Verbesserung der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung. BiSS wird von einem Trägerkonsortium aus verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen getragen. In Verbünden aus mehreren Bildungseinrichtungen werden Konzepte und Maßnahmen zur sprachlichen Bildung und Förderung umgesetzt und weiterentwickelt.

Im Bundesland Bremen gibt es im Grundschulbereich den „Bildungsverbund Gröpelingen“ und im Sekundarstufenbereich den Verbund “Einführung und Implementierung des Deutschen Sprachdiploms der KMK (DSD I)“.

Screenshot der Homepage der BiSS-Initiative, jpg, 27.0 KB

Alle in den BiSS-Verbünden eingesetzten Instrumente zur Diagnostik der Sprach- und Leseentwicklung (bei BiSS „Tools“ genannt) werden ausführlich beschrieben und fachlich bewertet. Die BiSS-Initiative empfiehlt die folgenden Instrumente:

Instrumente für die Individualdiagnose der Sprach- und Leseentwicklung
und Instrumente für andere diagnostische Zwecke (informelle Verfahren)

Gemäß der Ausrichtung der Initiative befinden sich auch Diagnoseinstrumente für den Elementarbereich in der Auswahl. Auch sind einige Instrumente eher für Programmevaluationen geeignet als für die unterrichtliche Planung von passfähigen Lernangeboten für jede Schülerin und jeden Schüler. Dennoch gibt die Zusammenstellung eine gute Orientierung in Bezug auf derzeit verfügbare Instrumente.

Jeuk, S. (2010). Deutsch als Zweitsprache in der Schule: Grundlagen - Diagnose - Förderung. Kohlhammer: Stuttgart. LIS-Bibliothek: 430(07):376.68 JEU