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Philosophie pädagogischer Diagnostik

Schülerinnen und Schüler bei einer Theateraufführung, jpg, 62.7 KB

Lehrerinnen und Lehrer sowie alle für Mädchen und Jungen, für junge Männer und junge Frauen pädagogisch tätigen Frauen und Männer sind fast ununterbrochen diagnostisch in ihrem pädagogischen Arbeitsfeld aktiv. Oft sehr bewusst, aber auch über lange Strecken eher unbewusst und scheinbar nebenher.
Relativ klar sichtbar ist ihre Rolle in der pädagogischen Diagnostik zum Beispiel in der 4. Jahrgangsstufe, wenn es um den Lebensweg entscheidende diagnostische Beoabachtungen, Feststellungen und Aussagen geht: Auf welcher Schulform soll das Mädchen, der Junge seine Schullaufbahn optimalerweise fortsetzen?

Eher diffus und unbewusst ist die pädagogisch diagnostische Aktivität, wenn eine Lehrperson den Klassen- oder Gruppenraum zum Beispiel morgens um 08.00 Uhr betritt:

  • Welche Lautstärke herrscht?
  • Wie ist die Stimmung?
  • Ein Blick in die Runde: Wie sehen die Schülerinnen und Schüler heute aus?
  • Warum hat Mirko seine Haare auf einen Millimeter rasiert?
  • Wer muss möglicherweise "krank" nach Hause geschickt werden?
  • Ein verheultes Gesicht bei einem sorgfältig geschminkten Mädchen. Liebeskummer? Ist in der Pause eine persönliche Ansprache möglich?
  • Liegen die Arbeitsmaterialien auf den Tischen?
  • Ist die Tafel gewischt?
  • Eine Schülerin drängt sich auf: "Das muss ich ihnen unbedingt zeigen! Schau'n Sie 'mal!" - "Nun, zumindest Nicoleta hab' ich mit diesem Projektauftakt erreicht. Wenn sie nur besser in die Klassengemeinschaft integriert wäre.", denkt sich die Lehrperson.

Innerhalb der ersten 15 Sekunden hat die Lehrperson bereits mehrere diagnostisch wesentliche Beobachtungen und Wahrnehmungen gemacht. Auch aus den Grenzbereichen zur medizinischen beziehungsweise psychologischen Diagnostik.

Bereiche pädagogischer Diagnostik

Folgende Bereiche von Schule und Umfeld gehören zur pädagogischen Diagnostik:

Eigene Beobachtungen zur Sozial- und Lernentwicklung in den Klassenverbänden und Lerngruppen, die durch Erinnerung, in schriftlichen Notizen, kurzen Lernstandsüberprüfungen, aber auch durch Klassenarbeiten und Projektpräsentationen "festgehalten", ermittelt und dokumentiert werden.

Regelmäßige Zusammenfassung dieser Beobachtungen in Form von Lernentwicklungsberichten, Zeugnissen, Förderplänen, Empfehlungen und Aufzeichnungen für Schüler- und Elternsprechtage.

Die erhobenen diagnostischen Erkenntnisse bleiben wirkungslos, wenn sie nicht in geeigneter Form kommuniziert werden. Schüler- und Elternsprechtage wurden oben schon genannt. Im Sinne von förderdiagnostischen Prozessen ist es notwendig, dass diese Kommunikation in Dialoge mit den Schülerinnen und Schülern und deren Eltern mündet. Auf diese Weise kann es letztlich zur nachhaltigen eigenverantwortlichen Selbststeuerung durch die Schülerinnen und Schüler für ihre Lernprozesse kommen.

Grobe Erstdiagnosen in problematischen Situationen, aus denen heraus zügig bekannte Institutionen angesprochen werden, die dann die spezifische Diagnostik in medizinischen, psychologischen oder auch pädagogischen Bereichen leisten. Das Spektrum reicht hier von Haus- und Fachärzten über das ZUP bis hin zu ReBUZ oder KIPSY.

Ebenso gehört aber auch das ganze Feld der in verschiedenem Maße standardisierten Testverfahren dazu, mit denen sich Lehrerinnen und Lehrer schulstufenspezifisch befassen.