Was können Bildungssysteme voneinander lernen? Und wie können aus Begegnungen langfristige Partnerschaften entstehen? 28 Lehrkräfte aus der südkoreanischen Provinz Jeollanam-do waren für zwei intensive Tage zu Gast in Bremen. Auf dem Programm standen Schulbesuche, Einblicke in digitale und kulturelle Bildung, Erinnerungskultur und vor allem der persönliche Austausch. Ein besonderer Höhepunkt war die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zwischen dem Landesinstitut für Schule (LIS) Bremen und dem Jeollanam-do Education Training Institute (JETI) im Bremer Rathaus.
Der Besuch am 5. und 6. August 2026 war Teil eines gegenseitigen Lehrkräfteaustauschs zwischen Bremen und Jeollanam-do. Bereits im Mai waren elf Bremer Lehrkräfte nach Korea gereist. Mit dem Gegenbesuch der 28 koreanischen Kolleginnen und Kollegen wurde dieser Austausch nun in Bremen fortgesetzt.
Im Mittelpunkt steht dabei mehr als das Kennenlernen eines anderen Schulsystems. Die Beteiligten wollen miteinander ins Gespräch kommen, unterschiedliche Ansätze erleben und voneinander lernen. Inhaltliche Schwerpunkte der Kooperation sind Demokratische Bildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie Digitale Bildung und Künstliche Intelligenz.
Wie vielfältig diese Themen in Bremen umgesetzt werden, zeigte bereits der erste Besuchstag. Im Referat 10 – Medien und Bildung in der digitalen Welt und Landesfilmarchiv beim Senator für Kinder und Bildung informierte sich die Delegation über Fortbildungsangebote, Schulentwicklungsarbeit und digitale Bildung. Auch die Verbindung von Medienbildung und Erinnerungskultur spielte eine Rolle. Eine historische Filmvorführung mit Ausschnitten des Films „Bremen wird bunt“ machte anschaulich, wie audiovisuelle Quellen für die Auseinandersetzung mit Geschichte auch im Unterricht genutzt werden können.
Anschließend führte der Weg in die Inge Katz Schule. Dort erhielten die Gäste Einblicke in die berufliche Bildung. Die "Vision 2035" aller berufsbildenden Schulen in Bremen betont den Aspekt der Eigenverantwortung auf allen Ebenen. Das verdeutlichte Anja Reuter den Gästen und zeigte in einer Führung durch den neuen Standort der Schule Am Brill, wie aus den Räumlichkeiten einer Bank durch viel Engagement ein toller Lernort entstehen kann, der mit dem Raum als dritten Pädagogen die Stärkung der Eigenverantwortung beim Lernen unterstützt.
Am zweiten Tag stand mit der Grundschule am Baumschulenweg eine weitere Schulform im Mittelpunkt. Nachdem Schulleiter Lars Beulke das Schulkonzept vorstellte, das sich u.a. durch das Lernhausprinzip, Logbücher und ein großes Engagement für Natur- und Umweltschutz auszeichnet, boten Schulführung und Raum für Fragen die Gelegenheit, Erfahrungen aus Korea und Bremen gemeinsam zu reflektieren.
Dass Bildung nicht an der Schultür endet, zeigte der Besuch in der Kunsthalle Bremen. Hartwig Dingfelder, Leiter der Abteilung Bildung und Vermittlung, stellte verschiedene Projekte und Methoden der museumspädagogischen Arbeit vor und führte die koreanischen Lehrkräfte durch die abwechslungsreiche Ausstellung. Dabei wurden interessante Bezüge zwischen den Kunstwerken und den Themen Digitalität, Erinnerungskultur und Umweltschutz hergestellt.
Gerade dieser Programmpunkt machte einen weiteren Aspekt des Austauschs sichtbar: Kulturelle Bildung schafft Räume, in denen Kunst nicht nur betrachtet wird, sondern dazu anregt, Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Der Höhepunkt der beiden Tage folgte am 6. August im Bremer Rathaus. Dort unterzeichneten das Landesinstitut für Schule Bremen und das Jeollanam-do Education Training Institute feierlich ein Memorandum of Understanding. Damit erhält die bisherige Zusammenarbeit einen verbindlichen Rahmen und eine Perspektive über die einzelnen gegenseitigen Besuche hinaus. Im Anschluss an die Unterzeichnung lernten die Gäste bei einer Führung auch das historische Rathaus kennen.
Die Verbindung zwischen Bremen und Jeollanam-do entstand durch das Engagement von Isabel Hunold, Fachleiterin für Kunst am LIS, und Prof. Dr. Chun-Shik Kim, der sich seit vielen Jahren für den Bildungsaustausch zwischen Deutschland und Korea einsetzt. Er vermittelt und unterstützt den Kontakt zum JETI, dem Äquivalent zum Landesinstitut für Schule in der südkoreanischen Provinz Jeollanam-do.
Aus diesem Kontakt ist inzwischen ein Austausch geworden: Lehrkräfte auf beiden Seiten erleben, wie Schule und Bildung in einem anderen Land gedacht und gestaltet werden. Diese Erfahrung fungiert wie ein Spiegel: Die Teilnehmende erhalten nicht nur neue Impulse, sondern nehmen auch die Besonderheiten des eigenes Landes reflektierter wahr und verstehen Zusammenhänge und Entwicklungen tiefgehender.
Zwischen Fachprogrammen und Schulbesuchen blieb auch Zeit, Bremen selbst kennenzulernen: von der Kunsthalle über den Marktplatz, das UNESCO-Welterbe Rathaus und Roland bis in die Böttcherstraße, das Schnoor und einen Spaziergang an der Weser. Das Programm verband damit fachlichen Austausch, kulturelle Begegnungen und persönliche Gespräche.
Nach zwei Tagen in Bremen bleibt vor allem die Aussicht auf eine Zusammenarbeit, die gerade erst begonnen hat. Denn die spannendste Frage des Austauschs lautet nicht, welches Bildungssystem das bessere ist, sondern: Was können wir voneinander lernen, um Schüler:innen bestmöglich auf die Herausforderungen unserer Welt vorzubereiten?
Mit dem Memorandum of Understanding haben das LIS und das JETI hierfür eine Grundlage geschaffen. Die nächsten Begegnungen können kommen.