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Ganzheitliche Bildung im Sozialraum (GaBi)

Fachliche Grundlage für den Ausbau der Bremer Kinder- und Familienzentren bildet der vom Felsenweg- Institut der Karl Kübel Stiftung entwickelte Ansatz „Ganzheitliche Bildung im Sozialraum“ (GaBi). Der Ansatz knüpft an das Konzept der englischen Early Excellence Centers an und zeichnet sich durch eine vernetzte Sicht und innovative Haltung gegenüber den Lebenswelten und Bedürfnissen von Familien, Eltern und Kindern in ihrem Sozialraum aus.

Durch die Arbeit mit einer „Leitidee“ kann der GaBi-Ansatz die spezifischen Anforderungen vor Ort flexibel und situationsbezogen aufgreifen und dennoch fachliche Qualität sichern. Dadurch wird ein hoher Praxisbezug hergestellt und die partizipative Umsetzung vor Ort wesentlich befördert.

Zentrales Element des GaBi-Ansatzes sind sieben Entwicklungsfelder auf dem Weg einer Kindertageseinrichtung zum Kinder- und Familienzentrum.

Entwicklungsfeld 1: Konzepterweiterung, Team- und Organisationsentwicklung

Grundlage für die Entwicklung zu einem Kinder- und Familienzentrum ist eine Ausrichtung des Einrichtungskonzeptes, des Teams und der Gesamtorganisation auf verbundene Leitgedanken zu frühkindlicher Bildungsqualität, erziehungspartnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Eltern und Familien, familienunterstützenden, präventiven und verbindenden Angeboten und der Vernetzung im Sozialraum.

Dies erfordert:

  • ein verändertes Selbstverständnis, Leistungsangebot und Leitbild, das Eltern als Expert*innen für Ihre Kinder und ein Kinder- und Familienzentrum als Familienort ansieht
  • eine entsprechende Teamhaltung und ein erweitertes Rollenverständnis der Fachkräfte, z.B. als Beziehungs- und Bildungspartner*innen der Eltern
  • angepasste und organische, d.h. sich in der Anwendung und Wechselspiel der ver-schiedenen Beteiligten entwickelnde, Prozesse innerhalb der Einrichtung, z.B. durch Elternbeteiligungsformate und Familienangebote in Abstimmung mit Beratungsstellen.

Entwicklungsfeld 2: Bedarfsorientierte Angebote für Eltern und Familien

Ein weiterer Baustein eines Kinder- und Familienzentrums ist die Bereitstellung bedarfsgerechter Angebote für Kinder und Familien. Ziel ist die Stärkung der Familie, die letztlich dem Kind zu Gute kommt.

Entwicklungsfeld 3: Sozialraumorientierung und Netzwerkarbeit

Das Feld ‚Sozialraumorientierung und Netzwerkarbeit’ regt dazu an, ein Kinder- und Familienzentrum über die Einrichtung selbst hinaus zu denken. Ziel ist es, die Bedürfnisse und Ressourcen des Sozialraumes zu kennen und diese sinnvoll zu nutzen.

Entwicklungsfeld 4: Partizipation und Empowerment

Empowerment und Partizipation beschreiben die Qualität der Zusammenarbeit mit den Familien und die Kooperation aller an Bildung und Erziehung beteiligten Partner*innen im Sozialraum. Dieses Entwicklungsfeld ist im Sinne einer ganzheitlichen Entwicklung essentiell, um die Identifikation und das Engagement der Zielgruppe vor Ort und darüber hinaus zu gewährleisten. Partizipation und Empowerment sind ein wichtiger Bestandteil des Professionsverständnisses und der Zielsetzung der Kinder- und Familienzentren.

Entwicklungsfeld 5: Qualitätssicherung und Wirkorientierung

Das Feld ‚Qualitätssicherung und Wirkorientierung‘ widmet sich dem professionellen und zielgerichteten Handeln in der pädagogischen Fachpraxis. Kinder- und Familienzentren entwickeln eine Reflexions- und Dokumentationskultur und werten ihre Angebote und Veranstaltungen in einem für sie sinnvollen Rahmen aus. Auf dieser Grundlage wird die Einrichtungskonzeption stetig weiterentwickelt. Ziel ist die stetige Prüfung und Verbesserung der intendierten und erreichten Wirkungen bei den Anspruchsgruppen.

Entwicklungsfeld 6: Einbindung in eine integrierte Planung

In diesem Feld geht es darum, den sozialräumlichen Ansatz für Einrichtungen oder Angebote bei Planungsprozessen ressortübergreifend mitzudenken. Zur langfristigen und nachhaltigen Wahrnehmung der Aufgaben und Verantwortung eines Kinder- und Familienzentrums ist eine Einbindung in die integrierte Planung auf administrativer Ebene notwendig.

Entwicklungsfeld 7: Politische Verankerung

Die flächendeckende Erweiterung der Leistungen einer „Regelkita“ zu Kinder- und Familien-zentren erfordert die spürbare Umsetzung eines politischen Willens. Es bedarf zusätzlich einer stärkeren Wahrnehmung in der fachpolitischen Öffentlichkeit ausgehend von einer strategischen Lobbyarbeit aller beteiligten Akteur*innen und Unterstützer*innen auf kommunaler und Landesebene. Im Kontext dieses Handlungsfeldes werden Angebote der Kinder- und Jugendhilfe mit unterschiedlichen politischen Leistungen verknüpft (Gesundheit, Jugend, Schule, Kultur, Arbeits- und Wirtschaftsförderung usw.) sowie auf politischer Ebene aufgenommen.

Diese Arbeitsprinzipien liegen der GaBi-Leitidee zugrunde

Bedarfsorientiert
Um Familien für ihren Alltag und ihr Miteinander zu stärken gilt es dort anzusetzen, wo tatsächlich Fragen und Unterstützungsbedarfe vorhanden sind. Regelmäßige Bedarfseinschätzungen bzw. Bedarfserhebungen bei den Familien der Einrichtung bzw. des Sozialraums sind bei GaBi Maßstab für die Angebotsentwicklung. Die bedarfsorientierte Vorgehensweise setzt an vorhandenen Motivationen an und greift die vor Ort vorhandenen Dringlichkeiten auf.

Niederschwellig
Kinder- und Familienzentren arbeiten nach dem Prinzip: Zugang für alle. Sie gestalten ihre Angebote inklusiv und ermöglichen Familien so einen niederschwelligen Zugang zu Bildungs-, Beratungs- und Präventionsangeboten.

Kooperativ und beteiligungsorientiert
Die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit bei den Akteuren auf allen Ebenen einschließlich die der Familien erhöht sich deutlich, wenn diese mit ihren Anliegen und Zielen wahr- und ernstgenommen werden, sich mit diesen identifizieren und Verantwortung übernehmen können. Daher sucht GaBi nach geeigneten Wegen und Verfahren, um die Beteiligung und Mitbestimmung aller Handelnden zu fördern und so weit wie möglich partizipativ vorzugehen.

Sozialraumorientiert
Familien des Sozialraums erhalten über Kinder- und Familienzentren Zugang zu vielfältigen Bildungs- und Beratungsangeboten, die sie in ihren elterlichen Kompetenzen stärken und die Orientierung im Familienalltag erleichtern. Dafür vernetzen sich in Kinder- und Familienzentren die Fachkräfte mit anderen Akteuren aus dem jeweiligen Sozialraum, stimmen die Angebote ab und kooperieren wirkungsorientiert. Ziel sollte dabei immer sein, dass das Angebot des Kinder- und Familienzentrums in sozialräumliche Abstimmungsstrukturen (Stadtteil-runde, Quartiersmanagement o.ä.) eingebunden oder Teil einer integrierten Sozialraumplanung ist.

Ressourcenorientiert
Die nachhaltige Umsetzung eines Kinder- und Familienzentrums beruht neben einer realistischen Zielsetzung nicht zuletzt auf einer präzisen Einschätzung der Möglichkeiten: Was ist machbar im Hinblick auf Finanzen, Räume etc.? Was ist auf Dauer leistbar angesichts der personellen Ressourcen und Fachkompetenzen. Dazu gehört auch, dass die beteiligten Personen im Sinne der Selbstfürsorge auf ihre eigenen Ressourcen achten und fragen „Was fördert unsere Entwicklung und unsere Stärkung?“.